Unser Besuch in Tscheb an der Donau am 4.-6. Juni 2007

Vor über sechzig Jahren im Oktober 1944 wurden die Donauschwaben aus ihrer Heimat vertrieben, sie flohen über Ungarn und Österreich nach Deutschland. Die Daheimgebliebenen wurden in Gefangenenlagern in Serbien interniert oder nach Russland deportiert. Nur wenige Männer, Frauen und Kinder überlebten die Lager. Der Ort Tscheb gehört heute zu Serbien und heißt Čelarevo.
Die Familie Klein hatte in Tscheb eine Schneiderei. Franz und Maria Anna Klein wohnten nach der Flucht mit den drei Kindern Hans, Adelheid und Norbert in Eisenach (Thüringen). In Deutschland wurde als viertes Kind Roswitha geboren.
Wir besuchten den Heimatort der Klein-Schneider mit zwei PKW und sieben Personen. Als direkte Nachkommen fuhren Roswitha Storch, Heike Thomas und Katja Klein mit. Mitreisende Partner waren Klaus Storch, Jürgen Feuker, Steffi Klein und Udo Heyl.
Die Daten des Stammbaumes wurden den Familienbüchern entnommen. Die Liste der Enkelkinder ist nicht vollständig.

Stammbaum der Klein-Schneider aus Tscheb (Donau)

Franz Klein Elisabetha Reibl* Emmerich Toth Elisabetha Kappelmeier Anton Kleiner Katharina Strauß Joseph Trenz Katharina Stamm
Franz Klein Julia Toth Anton Kleiner Marianna Trenz
Franz Klein Maria Anna Kleiner
Kinder + Ehepartner:
Hans Klein Adelheid Feuker, geb. Klein Norbert Klein Roswitha Storch, geb. Klein
+ Angela Klein + Jürgen Feuker + Steffi Klein, geb. Drescher + Klaus Storch
Enkelkinder:
      Heike Thomas geb. Feuker   Katja Klein    

* Reibl, Elisabetha - im Familienbuch steht der Name Rebl, aber das ist wahrscheinlich ein Fehler.

Stationen des Besuches

Hotel in Palanka

>>> Hotel + Motel >>>

4. Juni 2007 - Nachdem wir an der östereichisch-ungarischen Grenze am Neusiedler See übernachtet hatten, fuhren wir direkt nach Batschka-Palanka. Hier hatte Familie Groh für uns Hotelzimmer besorgt. Am Nachmittag sahen wir uns die Stadt und den Markt an.
Am Abend trafen wir uns bei einer Flasche serbischen Rotweines, um den nächsten Tag zu planen. Roland Groh und Helga Boeck, mit Eltern Katharina Groh geb. Gari und Hans Groh,  zu denen Jürgen Feuker Kontakt geknüpft hatte, saßen auch mit am großen runden Tisch. Sie erzählten uns Geschichten aus den alten Zeiten und berichteten über Pläne der Heimatsortsgemeinschaft Tscheb (HOG), eine Gedenktafel für die Deutschen in Tscheb anzubringen.  

Helen und Dusko

5. Juni 2007 - Am Morgen des nächsten Tages fuhren wir nach Tscheb-Čelarevo. Wir waren mit Helen und Dusko Galonja verabredet. Beide sprechen gut deutsch. Helen kannte noch einige Donauschwaben, die nach dem Krieg in Tscheb geblieben waren. Dusko konnte uns zu den Häusern führen, in denen sie wohnten. Er zeigte uns den Ort und erzählte einiges  zur Geschichte von Čelarevo. 

Die katholische Kirche

Mit Dusko liefen wir vorbei an der Klein-Schneiderei, die wir später noch einmal aufsuchen wollten, zum 1914 erbauten Gemeindehaus. Nach kurzer Besichtigung des Amtsgebäudes gingen wir zur katholischen Kirche. Sie war 1822 unter Pfarrer Anton Himmelberg erbaut worden. Der Kirchendiener öffnete die Tür mit seinem großen Schlüssel. Die vordere Fassade der Kirche war erst vor wenigen Jahren erneuert worden. Leider fehlt das Geld und vor allem die Kirchgemeinde, um dieses schöne Gotteshaus auf Dauer zu erhalten.

Nach der Besichtigung der Kirche sahen wir uns das Palais Dundjerski an. Die Brauerei von Čelarevo setzt sich für die Erhaltung des Schlosses und des Parkes ein. Gleich nebenan sieht man die moderne Brauerei.

Marisch Kiss

Gegenüber der Brauerei wohnt Frau Marisch Kiss. Sie ist 85 Jahre alt. Durch ihre Heirat mit einem Ungarn durfte sie auch nach dem Krieg in Tscheb bleiben. Frau Kiss bewirtete uns mit Nußplätzchen und Bäckerkipfeln. Sie erzählte uns viel über die Jahre vor dem Krieg.
Ihr Vater, Johann Hamann, war damals Lehrerdirektor. Er war aktiv für die Gemeinde tätig, auch nachdem er als Deutscher nach dem Krieg nicht mehr lehren durfte. Das Buch "Geschichte der Kirche und Gemeinde Tscheb" schrieb Hamann zusammen mit Ignaz Reich.

Der alte Friedhof in Tscheb

Anschließend besuchten wir den Friedhof von Tscheb. Die deutschen Gräber waren in einem schlechten Zustand. Sie drohten einzustürzen, wenn man sich zwischen ihnen bewegte. Einige Grabsteine waren umgefallen und die Inschriften unleserlich.
Nach längerer Suche fanden wir den Grabstein zweier unserer Vorfahren Nikolaus und Anna Kleiner. Er war sehr gut erhalten. Hier legten wir auch die Blumen nieder. Gräber der Linie Klein sind in Tscheb nicht zu finden, sondern im südungarischen Mohács.

Anna und Gregor Mayer

Am Nachmittag statteten wir der Familie Mayer einen Besuch ab. Bei einem Glas Wein erzählten uns Anna und Gregor viel über die Nachkriegszeit und wie ihr Vater lange nach 1945 unserer Oma Julia Papiere für die Übersiedlung nach Deutschland besorgt hatte.

Die Entwicklung des Ortes Tscheb als Čelarevo unter jugoslawischer Herrschaft war ebenso Thema wie das Donauhochwasser von 1965. Auch unsere Frauen konnten viel aus der donauschwäbischen Küche lernen. Anna gab einige ihrer Rezepte preis. Mit einem schönen Gruppenbild verabschiedeten wir uns von Familie Mayer.

Kleinschneiderei

Anschließend suchten wir das ehemalige Wohnhaus der Familie Klein in der Mittelgasse 48 (heute MARŠALA TITA) auf. Das Haus war vor Jahren abgerissen worden. Hier steht heute ein Neubau, der eine Gaststätte mit Biergarten beherbergt. Natürlich ließen wir uns nieder, um bei einem kühlen einheimischen Bier den sonnigen Tag zu genießen.

Zum Ende unseres Rundganges durch Tscheb liefen wir noch einmal zur einstigen Klein-Schneiderei in der Kirchen-Gasse 33 (heute UL. ZDRAVKA ČELARA). Das Haus hatte Uropa Franz gebaut. Hier wohnte Oma Julia Klein, geb. Toth bis zu ihrer Übersiedlung im Jahre 1963 zu ihrer Familie nach Eisenach.

Abschied von Tscheb

An diesem einen Tag hatten wir viele Eindrücke aus dem alten Tscheb - dem heutigen Čelarevo - gewonnen. Wir kehrten in unsere Unterkünfte zurück. 

6. Juni 2007 - Am nächsten Morgen machten wir noch einen kleinen Spaziergang über den Friedhof. Am Ortsschild verabschiedeten wir uns endgültig.

Unsere weitere Reise sollte nach Novi Sad und dann zurück nach Deutschland führen. In Klagenfurt am Wörthersee wurde noch eine Übernachtung eingelegt. Wir bedanken uns bei allen Tschebern, die uns so herzlich empfangen und bewirtet haben. Unser Dank gilt Herrn Groh für seine Unterstützung bei der Vorbereitung unserer Reise und natürlich Jürgen Feuker, der viel Zeit in die Planung investiert hat.
Noch lange werden wir unseren Besuch in der alten Heimat in Erinnerung behalten. Wir werden uns noch einige Male zusammensetzen, um die Reise auszuwerten.

Udo Heyl

Bilder von:

Heike Thomas
Katja Klein
>>>> Stadtplan von Tscheb - Čelarevo (PDF) Udo Heyl